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Hintergrundinformationen zum Versorgungsbereich

(Bezeichnung des BQS-Leistungsbereichs: Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation)

(Stand: 21.06.2007)

Icon für Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation

Folgende Qualitätsindikatoren aus diesem Versorgungsbereich sind für die öffentliche Berichterstattung verpflichtend:

Entzündung des Operationsbereichs nach der Operation

Ungeplante Folgeoperation(en) wegen Komplikation(en)

Interpretationshilfen für die Ergebnisse dieser Qualitätsindikatoren finden Sie, indem Sie die Bezeichnungen der Qualitätsindikatoren anklicken.

Informationen für Patienten zu diesem Versorgungsbereich:

Das Knie ermöglicht das gelenkige Bewegen der Beine. Es bildet das Scharnier, das Ober- und Unterschenkel miteinander verbindet. Es ermöglicht das Beugen und Strecken der Beine und kann eingeschränkte Drehbewegungen vollziehen.

Das Kniegelenk macht es uns möglich, zu gehen, zu rennen, zu springen, uns hinzusetzen, uns aufzurichten und zu stehen, zu hocken oder zu knien. Im Laufe eines jeden Tages hebelt das Kniegelenk ein Vielfaches des eigenen Köpergewichtes und federt auch – wie ein Stoßdämpfer – einen Großteil der Erschütterungen ab. Das Kniegelenk ist dadurch erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Das Gelenk ist so aufgebaut, dass es diese enorme Beanspruchung bewältigen kann. Es besteht aus dem unteren Ende des Oberschenkelknochens (Femur) und dem oberen Ende des Schienbeins (Tibia), die das knöcherne Kniegelenk mit einem dazwischenliegenden Gelenkspalt formen.

Ein weiterer Knochen, die Kniescheibe (Patella), ist in die große Sehne eingelassen, die vom Oberschenkelmuskel ausgehend das knöcherne Kniegelenk überspannt.

Die Kniescheibe und die Knochenenden von Ober- und Unterschenkel sind mit einer Schicht aus Knorpel überzogen, die dafür sorgt, dass die Knochen eine geschmeidige Oberfläche haben und reibungslos aneinander vorbeigleiten und -rollen können. Ein komplexes Bändersystem sorgt für Stabilität und die verlässlich geführten Bewegungen des Gelenkes.

Das Kniegelenk ist, wie alle Gelenke, von einer Gelenkkapsel umschlossen. Sie besteht aus zwei Teilen: einer straffen Gelenkkapsel, die das Gelenk schützend umschließt, und einer zarten, inneren Gelenkkapsel (Synovia). Sie produziert eine Gleitflüssigkeit, die zunächst den Knorpel nährt, aber auch dafür sorgt, dass das Kniegelenk bei all seinen Bewegungen dank dieser „Gleitschmiere“ reibungslos funktioniert.

Die fortwährende, besonders hohe Beanspruchung des Kniegelenkes kann zu einer Abnutzung der Knorpelschicht (Arthrose) führen. Dieser Gelenkverschleiß ist eine sehr häufig vorkommende Erkrankung des Kniegelenkes und wird als Gonarthrose bezeichnet. Sie kann sich als Folge von Verletzungen, Fehlstellungen und Fehlbelastungen (X- oder O-Beine, einseitige Beinlängenverkürzung), aber auch wegen Überlastungen (z. B. beim Sport) einstellen. Übergewicht und mangelnde Bewegung begünstigen allerdings ebenfalls den Verschleiß der Knorpelschichten im Knie.

Bei vielen Menschen tritt mit zunehmendem Alter – auch ohne erkennbare Ursachen – eine Abnutzung des Kniegelenkes auf.

Mit fortschreitendem Verschleiß des Kniegelenkes stellen sich Schmerzen und zunehmend auch Bewegungseinschränkungen ein. Sind die Veränderungen des Knies so weit vorangeschritten, dass eine medikamentöse Behandlung oder eine gelenkerhaltende Operation nicht mehr hilfreich sind, kann ein künstlicher Gelenkersatz Schmerzlinderung und neue Beweglichkeit bedeuten.

Das Einsetzen (Implantation) eines künstlichen Kniegelenkes gehört in Deutschland zu den am häufigsten durchgeführten Operationen. Jährlich werden mehr als 130.000 Menschen infolge einer Gonarthrose am Kniegelenk operiert, davon rund zwei Drittel Frauen.

Das vollständige künstliche Kniegelenk wird als Knie-Totalendoprothese (Knievollprothese, Totalknie) bezeichnet. Ist die Schädigung nicht umfassend, also nur ein Teil des Gelenks geschädigt und abgenutzt, genügt meist eine Knie-Teilprothese.

Bei der Operation werden zunächst die Knorpelreste und die in Mitleidenschaft gezogenen Knochenpartien entfernt. Die Anschlussstellen, an denen das künstliche Gelenk ansetzt, werden in die erforderliche Form gebracht. Anschließend wird der künstliche Kniegelenkersatz passgenau eingefügt und verankert.

Am oberen Ende des Schienbeins (Tibia) wird eine Metallplatte angebracht, die mittels eines kurzen, speziell geformten Stiels fest im Schienbein verankert wird.

Auf dieser Metallplatte werden entweder ein flächendeckendes bewegliches Kunststofflager oder zwei voneinander unabhängige bewegliche Kunststoffgleitlager installiert. Am unteren Ende des Oberschenkelknochens (Femur) wird nach entsprechender Bearbeitung ebenfalls – wie beim Schienbein – ein entsprechendes Metallelement aufgesetzt. Die Rückseite der Kniescheibe (Patella) kann durch eine Kunststoffscheibe, die die Funktion des Knorpels auf der Unterseite der Kniescheibe übernimmt, ersetzt werden.

In der Regel wird so operiert, dass der Knochen in eine für diesen Zweck besonders strukturierte Oberfläche der Prothesenteile einwächst. So verbindet sich das künstliche Gelenk mit dem Knochen und wird dauerhaft dort fixiert. In diesem Fall spricht man von einer zementfreien Verankerung.

Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Knieprothese mit einem speziellen Zement am Knochen zu verankern.

Wird das Kniegelenk erstmals gegen eine Knievollprothese ausgetauscht, heißt diese Operation Erstimplantation.

Damit ein langes, problemloses Funktionieren des Kniegelenkersatzes, also andauernde Schmerzfreiheit und größtmögliche Beweglichkeit für die PatientInnen gewährleistet sind, müssen die Materialien der Prothese besonders großen Qualitätsanforderungen standhalten. Sie sollen reizarm sein, sodass sie möglichst keine Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen, sehr widerstandsfähig, damit sie den großen Körperkräften standhalten, denen das Kniegelenk ausgesetzt ist, und damit im künstlichen Gelenk kein Abrieb der Oberflächen entsteht. Die Knie-Totalendoprothese, das Totalknie, besteht daher aus hochwertigen Materialien, unter anderem Spezialkunststoffen und speziellen Metalllegierungen, z. B. Titan.

Autoren:
BQS gGmbH, BQS Fachgruppe Orthopädie und Unfallchirurgie, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

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