Informationen zum neuen ICD-Zusatzkode U69.00! „Andernorts klassifizierte, im Krankenhaus erworbene Pneumonie bei Patienten von 18 Jahren und älter“
Dieser neue Zusatzkode ist eine sekundäre Schlüsselnummer für Zwecke der externen Qualitätssicherung. Die externe Qualitätssicherung im Krankenhaus wird von der BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätsicherung gGmbH durchgeführt. Hierunter fällt auch die Qualitätssicherung der ambulant erworbenen Pneumonie.
Welche Pneumonien für die externe Qualitätssicherung zu dokumentieren sind, wird auf der Basis der ICD-10-GM über Einschlussdiagnosen (Pneumonien) und Ausschlussdiagnosen (bisher z.B. immunsupprimierte Patienten) bestimmt.
Auf Antrag der BQS-Fachgruppe Pneumonie wurde in die ICD-10-GM 2008 der neue Zusatzkode für die „im Krankenhaus erworbene Pneumonie“ aufgenommen, damit die ambulant erworbene Pneumonie von der im Krankenhaus erworbenen Pneumonie (neue Ausschlussdiagnose) abzugrenzen ist. Die Ätiologie und Behandlung beider Formen der Pneumonie sind unterschiedlich. Der Zusatzkode wird ergänzend zum Primärkode, der eine Pneumonie verschlüsselt, vergeben und kann nicht allein verwendet werden.
Wer muss den Zusatzkode verwenden und für welche Fälle?
Alle Krankenhäuser, die zur externen Qualitätssicherung nach § 137 SGB V verpflichtet sind. Die Angabe des Zusatzkodes ist nur für vollstationäre Fälle notwendig.
Auf welche Krankenhäuser bezieht sich dieser Kode?
Als Krankenhaus werden in dieser Definition alle nach § 108 SGB V zugelassenen Einrichtungen verstanden.
Warum wird in der Definition nur auf Krankenhäuser verwiesen – nicht auf Pflegeeinrichtungen?
Die in pflegerischen Einrichtungen erworbenen Pneumonien (auch als „nursing home acquired pneumonia“ – NHAP oder „health-care-associated pneumonia“ – HCAP – bezeichnet) unterscheiden sich möglicherweise in ihrer Ätiologie und Behandlung von der im Krankenhaus erworbenen Pneumonie. Diese Formen der Pneumonie sind aber noch nicht derart spezifisch abzugrenzen und werden in Studien weiter erforscht.
Was versteht man unter einer „im Krankenhaus erworbenen Pneumonie“?
Unter einer im Krankenhaus erworbenen Pneumonie versteht man Pneumonien, deren Symptome und Befunde nach den modifizierten CDC-Kriterien frühestens 48 Stunden nach Aufnahme in ein Krankenhaus auftreten, und Pneumonien, die innerhalb von 28 Tagen nach Entlassung aus einem Krankenhaus auftreten.
Praktisch bedeutet dies, dass der Zusatzkode immer dann anzuwenden ist, wenn eine Pneumonie während eines Krankenhausaufenthalts auftritt, jedoch frühestens 48 Stunden nach Aufnahme, oder wenn Patienten mit einer bestehenden Pneumonie in ein Krankenhaus aufgenommen werden, deren letzter Krankenhausaufenthalt nicht mehr als 28 Tage zurückliegt.
Was genau sind die CDC-Kriterieren für die Pneumonie?
Definition der Pneumonie modifiziert nach CDC-Kriterien:
Eine Röntgenuntersuchung des Thorax weist ein neues oder progressives und persistierendes Infiltrat, eine Verdichtung, Kavitation oder einen pleuralen Erguss auf
und mindestens eines der folgenden Kriterien:
- Fieber (>= 38,3 °C) ohne andere mögliche Ursachen
- Leukopenie (< 4.000 Leukozyten/mm3) oder Leukozytose (> 12.000 Leukozyten/mm3)
- Für Erwachsene > 70 Jahre: veränderter mentaler Status, der keine anderen Ursachen haben kann (pneumoniebedingte Desorientierung)
und mindestens zwei der folgenden Kriterien:
- neues Auftreten von eitrigem Sputum oder Veränderung der Charakteristika des Sputums
- neu aufgetretener oder verschlimmerter Husten, Dyspnoe oder Tachypnoe
- Rasselgeräusche oder bronchiale Atemgeräusche
- Verschlechterung des Gasaustausches (PaO2/FiO2 <= 240), gesteigerter Sauerstoffbedarf oder Beatmungsnotwendigkeit
Habe ich Nachteile zu befürchten, wenn ich diesen Kode verschlüssele?
Die Einstufung als im Krankenhaus erworbene Pneumonie bedeutet nicht, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der stationären medizinischen Behandlung und der Pneumonie bestehen muss. Fragen eines ärztlichen oder pflegerischen Verschuldens sind durch diese Verschlüsselung nicht berührt.
Warum gilt dieser Kode nur im Zusammenhang mit einem anderen ICD-Kode?
Dieser Kode gilt nur im Zusammenhang mit einer weiteren Pneumoniekodierung durch die jeweiligen ICD-Kodes, weil eine weitere Unterteilung der bestehenden ICD-Kodes in ambulant und im Krankenhaus erworbene Pneumonien die bisherige Struktur der Kodes verändert hätte. Durch diesen Zusatzkode bleiben die gewohnten ICD-Kodes unverändert bestehen. Der Zusatzkode dient als Zusatzinformation zu der Pneumonie.
Warum soll dieser Zusatzkode dokumentiert werden?
Durch die Dokumentation dieses Zusatzkodes wird deutlich, dass die Pneumonie als nicht als ambulant erworbene Pneumonie klassifiziert wird. Diese Fälle müssen von Ihnen im Rahmen der externen vergleichenden Qualitätssicherung der Krankenhäuser nach § 137 SGB V nicht dokumentiert werden.