Rationale
Der indirekte Indikator dient als Ersatz für Revisionsraten
in einer Langzeitverlaufsbeobachtung. Die Zahl der Revisionen von Fällen aus
eigener Institution wird zum Implantationsvolumen der Institution in Beziehung
gesetzt.
Infektionen stellen eine seltene, aber ernste Komplikation
der Schrittmacherimplantation dar. Die Infektion kann die Aggregattasche
und/oder die Sonden im Verlauf der Venen bzw. im Herzen selbst betreffen.
Tatsächlich sind Tascheninfektionen mit Abstand am häufigsten (Uslan &
Baddour 2006). Systemische Infektionen können die Trikuspidalklappe mit
erfassen. Die Bildung von Thromben ist möglich. Frühe Infektionen nehmen häufig
in der Implantationsoperation selbst ihren Ursprung, späte Infektionen können
nach Perforation des Schrittmachers entstehen. Sondenbedingte Endokarditiden
können lebensbedrohlich sein und erfordern eine Entfernung des
Schrittmachersystems (del Rio et al. 2003).
Furuya und Lowy weisen auf die Rolle der ”Biofilme“ hin, d.
h. von Mikroorganismen stammende Ablagerungen auf implantierten
Schrittmachersonden, welche u. U. die Wirksamkeit von Antibiotika auf Bakterien
beeinträchtigen (Furuya & Lowy 2003).
Die klinischen Infektionszeichen können sehr variabel sein,
die Blutkulturen sind häufig negativ. Wird ein Erreger nachgewiesen, so handelt
es sich meistens um Staphylokokken (Karchmer
& Longworth 2002).
Diverse Risikofaktoren wie z. B. Diabetes mellitus, eine
Immunsuppression oder die Dauer des Eingriffs werden diskutiert (Karchmer & Longworth 2002). In
einem logistischen Regressionsmodell zeigten sich bei Klug et al. (2007) statistisch folgende
Einflussfaktoren auf eine Infektion nach Schrittmacher-bzw.
Defibrillatoreingriffen: Fieber am Tag vor der Implantation, Verwendung von
temporären Sonden, das Fehlen einer Antibiotikaprophylaxe, ein früher
Eingriffszeitpunkt des Revisionseingriffs bzw. eine Revisonseingriff ohne de
novo-Implantation.
Da Costa et al.
(1998) wiesen in einer Metaanalyse randomisierter Studien eine hohe Evidenz für
die einmalige Antibiotikagabe zur Vermeidung von Wundinfektionen nach.
Darouiche (2004) schätzt, dass in den USA jährlich bei
12.000 von 300.000 (4%) Schrittmacher- und Defibrillatoroperationen eine
Infektion auftritt. Die Behandlung jeder Schrittmacherinfektion führt nach
seiner Rechnung zu Kosten von ca. 25.000 US$. Karchmer & Longworth (2002) schätzen die Gesamtinfektionsrate
zwischen 1 und 7%. Da Costa et al. (2000) rechnen mit 2% Wundinfektionen und
0,5% Endokarditis.
Besonders hoch scheint die Infektionsgefahr nach Wechsel-
und Revisionsoperationen zu sein. Einzelne Autoren vertreten die Meinung, dass
vor jedem Wechsel überprüft werden soll, ob die Indikation zum Schrittmacher
wirklich weiter besteht (Bracke et al.
2004). Auch bei jungen Herzschrittmacherpatienten, vor allem bei
angeborenen Herzfehlern, scheinen Infektionen häufiger aufzutreten, u. a.
deshalb, weil bei ihnen die Revisionsrate höher ist (Cohen et al. 2002, Klug et al. 2003).
Stand 15.03.2009